Textbeispiele

Gerhard Windshuber

 

 

Gedichte

 

 

Die Maschine

 

Noch

rechnet sie nur und schreibt

bald

wird sie für uns denken

noch

sind ihr Gefühle fremd

bald

wird sie über uns lachen

 

 

 

 

 

Beschäftigungsprogramm

 

Es gibt Menschen

die einander helfen

weil es Menschen gibt

die einander bekämpfen

 

So sind alle beschäftigt

ein jeder

nach seinen Fähigkeiten

 

 

 

 

 

Urfrage

 

Kam der Mensch

aus dem Paradies

ins Jammertal der Erde

oder

kam der Mensch

in ein Paradies

und hat es in ein

Jammertal

verwandelt?

 

 

 

Gebet

 

O Gott

wir Menschen behaupten

dein Ebenbild zu sein -

sag doch

dass es nicht stimmt

sonst verzweifle ich

 

 

 

 

Resignation

 

Würde Jesus

heute wieder

unter uns leben -

er befände sich abermals

in höchster Lebensgefahr.

 

 

 

 

Irrtum

 

Die Erde dreht sich

die Sonne steht still

weil es der große

Schöpfer so will

 

Der Mensch jedoch

besteht darauf:

am Morgen geht

die Sonne auf

wandert weiter

frisch und munter

und geht abends

wieder unter

 

Wie viel doch in der Welt geschieht

so anders als der Mensch es sieht

 

 

 

 

Nachruf

 

„Jeder wie er´s verdient“

sagte der Totengräber

und warf Mozarts Leiche

in das Massengrab

 

 

 

Rosenverkäufer in unserer Kneipe

 

Wir reden

wir analysieren

wir entwerfen Programme

wir verändern die Welt!

 

            Dunkle Hände

            halten uns Rosen entgegen

            schwarze Augen

            sehen uns fragend an

 

Stör uns nicht

Fremder

wir verändern die Welt!

 

 

 

 

 

Einkehr

 

Hinter einer Mauer

aus Schweigen

an der sich die Wellen brechen

an der abprallt

das Geschrei der Welt

da hab ich

eine Hütte

da wohn ich

hin und wieder

 

 

 

 

 

Begegnung

 

Stumm

gingen wir aneinander vorbei

Fremder

kurz

trafen sich unsere Blicke

 

Wir werden uns nie mehr

begegnen

Fremder

hätten wir uns wenigstens

zugelächelt

 

 

 

 

Dein Tag

 

(für Rupert Schützbach

zu seinem 75.Geburtstag)

 

Zum Traum

zerrinnt dein Gestern

im Traum

keimt dein Morgen

zwischen Traum und Traum

liegt deine Wirklichkeit

dein Heute;

genieß es

vollend es

mach es

zu deinem Tag

 

 

 

 

 

 

Beim Hören eines Schubert-Liedes

 

Klänge durchdringen mich

strömen in mir

umspülen mich

wie Gezeiten

fließen träumend

ins offene Meer

kehren zurück

urgewaltig

schön

 

Strohhalm

der ich bin

Hülle nur

und Resonanz

schwingt

von Welle zu Welle

und ohne Ende

ist das Meer

 

  

 

 

 

 

 

Hochsommertag in Passau

 

Sie atmet schwer

die alte Stadt

erwartet geduldig

eine kühlende Nacht

 

Die Sonne ist groß

sinkt lautlos nieder

und küsst die Erde

mit flammendem Hauch

 

Da glühen die Dächer

da fliehen die Schatten

da möchte die Erde

sich nicht mehr drehn

da möchte die Zeit

nicht weitergehn

 

Nur die Türme verkünden

beharrlich die Stunden

Stunden der ruhenden Zeit

 

 

 

 

 

Straßenlaterne im Nebel

 

Straßenlaterne im Nebel

du verschwendest dein Licht -

vergeblich willst du

den Schleier durchbrechen

zwischen dir

und dem Himmel

vergeblich willst du

den Weg erhellen

unter dir

 

Straßenlaterne im Nebel

du verschwendest dein Licht -

dein milder Schein

erreicht kaum den Wanderer

und erkaltet

vor seinem Gesicht

 

 

 

 

 

 

Oktober

 

Weiße Nebel

im Finale

einer Sommersinfonie

 

Eine Spinne umgarnt

den Schlussakkord

 

Betäubt von Harmonie

stirbt ihr letztes Opfer

 

 

 

 

Winternacht am Strom

 

In eisiger Kälte erstarrt

schweben geglättete Lichter

über der schwarzen

unbeirrbar fließenden Masse

 

Kristallklar über dem Tal

stehen die Sterne

 

Frierend berge ich

die klammen Hände

zögernd geh ich an den Strom

an vereisten Ufersteinen

träum ich seinen Weg zu Ende

  

 

 

 

 

Haiku

 

Fischlein im Teiche

habt acht, habt acht! Am Ufer

lauert der Kater

 

 

 

 

 

 

Aphorismen

 

 

Esoteriker

 

Esoteriker sind Menschen

die ans Telefon gehen

bevor es klingelt

 

 

 

 

Trost

 

Hähne,

die morgens um vier Uhr tropfen,

krähen wenigstens nicht!

 

 

 

 

Nach der Wahl

 

Nach der Wahl

sagte der Politiker

dass er sich nur

versprochen habe

versprochen habe

er nichts!

 

 

 

 

Parteipolotik

 

Die Parteifreunde

klopfen sich gegenseitig

so oft auf die Schultern

bis genügend Dreck abgefallen ist

um den politischen Gegner

hindurchziehen zu können.

 

 

 

 

Schwere Last

 

Seit ich mich einmal selber

auf den Arm genommen habe

weiß ich erst

welche Last ich bin!

 

 

 

 

 

Südostbayerische Miniaturen

  

 

 

Sprichwort-Analyse:

 

>Aus Fehlern wird man klug<

So ein Schmarrn!

I kenn oan,

der is oiwei no bläd

obwoi er scho so vui

Fehler gmacht hat.

 

 

 

 

 

Straßensammlung

 

Fürs Diakonische Hilfswerk

gib nix her:

I bin katholisch!!

 

 

 

 

 

Karma

 

Im Mittelalter

war er a Raubritter

vor 200 Jahr

a Schmuggler und Wuiderer

vor 100 Jahr

a Viehhandler

heit is er a Großbank-Manager

 

Jetzt hat er nimmer weit

bis zum Nirwana

 

 

 

 

 

 

 

An einer Andenkenbude in Altötting:

 

„Sie, is de Madonna rostfrei ? -

        Neeeed !?

Is´s wenigstens gweiht ? -

        Aaaa ned !?

Dann is´s  z´deier!”

 

 

 

 

 

Die Reise auf den Friedhof

 

Auf  ´Beerdigung                                            

woit er fahrn -                                                

und hat se darennt,                                         

weils wieder amoi                                           

pressiert hat.

                                              

Jetz is er hoid

a weng später kemma                                     

aufn Friedhof.                                                 

 

 

 

 

 

Da rechte Glaum

 

Unser Glaum der is scho recht!

I mecht ned luddrisch sei

denn ohne gscheidn Glaum kimmst schlecht

in´n Himme amoi nei

 

Brauchst bloß de Heilign oschaun

s´is koana luddrisch gwen!

De ham jetz mit´m rechtn Glaum

a ewigs griabigs Lem

 

Für so was braucht ma hoid a Gfui

ma braucht des gwisse Gschbia:

kaddolisch sei, des kost ned vui –

und nix Gwiss woaß ma nia!